Kopfschmerzkalender bei Migräne: Notwendig oder überflüssig?

14. April 2021


Führe einen Kopfschmerzkalender!

Wenn du unter Migräne leidest, hast du diese Empfehlung bestimmt schon häufig gehört oder gelesen. Einen Kopfschmerzkalender zu führen ist aufwändig. Du musst jeden Tag daran denken, wirst immer wieder an Kopfschmerzen und Begleitsymptome erinnert und musst viele Spalten ausfüllen.

Ist so viel Aufwand überhaupt gerechtfertigt? 

Ich möchte dir zeigen, warum es für dich sinnvoll sein kann, einen Kopfschmerzkalender zu führen und wann es überflüssig ist. Außerdem bekommst du Tipps zum Ausfüllen des Kopfschmerzkalenders, damit er möglichst aussagekräftig ist. 

Kopfschmerzkalender - Was ist das? 

In einem Kopfschmerzkalender kannst du deine Kopfschmerzen bzw. die Migräne dokumentieren. Manchmal wird auch vom Kopfschmerztagebuch gesprochen und das trifft es eigentlich ganz gut. Täglich sollen die Kopfschmerzen, Begleitsymptome und weitere Informationen wie Medikation oder Auslöser notiert werden. 

Es gibt viele verschieden Varianten von Kopfschmerzkalendern. Einer der meist genutzten ist der frei verfügbare Kopfschmerzkalender der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). 

DMKG Kopfschmerzkalender

Lade dir hier kostenlos den Kopfschmerzkalender der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft herunter:

Aufgebaut sind die Kalender alle sehr ähnlich. Du hast immer die Möglichkeit, deine Kopfschmerzen in verschiedenen Dimensionen zu beschreiben. Tipps zum Ausfüllen findest du weiter unten.

Soll ich mit Migräne einen Kopfschmerzkalender führen? 

Die tägliche Dokumentation der Kopfschmerzen sowie all der anderen abgefragten Faktoren ist mühsam, keine Frage. Warum also solltest du diese Mühe auf dich nehmen? 

Der Kopfschmerzkalender ist die Grundlage für eine ganzheitliche Behandlung. Sowohl du als auch dein Behandler können mit Hilfe des Kopfschmerzkalenders nachvollziehen, wie häufig du welche Form von Kopfschmerzen hast. Auch wenn wir oft meinen, wir könnten uns gut an solche Dinge erinnern - wir können es nicht! Für die Diagnosestellung ist der Kopfschmerzkalender daher unverzichtbar und er hilft, deine Kopfschmerzen adäquat zu behandeln. 

Um einem Medikamentenübergebrauch vorzubeugen, ist es wichtig, den Überblick zu behalten. Wie oft hast du bereits ein Triptan eingenommen? Wie häufig hast du frei verkäufliche Schmerzmittel genommen? Mit Hilfe des Kopfschmerzkalenders dokumentierst du, wann du welche Medikamente in welcher Dosis eingenommen hast. Das hilft dir dabei, nicht aus Versehen zu häufig zu Medikamenten zu greifen. 

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Migräne behandeln

Migräne Behandlung besteht nicht nur aus Medikamenten! Lies nach, was du tun kannst, um Schmerzen zu lindern und Migräneattacken vorzubeugen! 

Mit Hilfe eines Kopfschmerzkalenders kannst du Zusammenhänge zwischen Kopfschmerzen und Auslösern erkennen. Nur wenn du dokumentierst, wann du Kopfschmerzen hattest, hast du die Möglichkeit solche Verbindungen zu bemerken. 

Ein Kopfschmerzkalender ist eine hilfreiche Übung zur Selbstbeobachtung. Die Wahrnehmung eigener Verhaltensmuster ist die Grundlage jeglicher Veränderung. Erst wenn du ein Bewusstsein über dein Verhalten und Umgebungsfaktoren hast, kannst du etwas daran verändern. 

Nicht zu unterschätzen ist auch die Möglichkeit, Therapiemaßnahmen auf ihre Effektivität zu überprüfen. Solltest du ein neues Medikament ausprobieren oder regelmäßig Entspannungsübungen durchführen, kannst du mit Hilfe des Kopfschmerzkalenders kontrollieren, ob sich an der Frequenz oder Intensität deiner Migräneattacken etwas verändert. 

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Wann ist der Kopfschmerzkalender überflüssig? 

Auch wenn viele Argumente für das Führen eines Kopfschmerzkalenders bei Migräne sprechen - es ist nicht für jeden immer sinnvoll. Solltest du nur ganz selten Kopfschmerzen oder Migräneattacken haben, musst du diese nicht unbedingt dokumentieren. Leidest du nur ein bis zwei Mal pro Jahr unter Migräneattacken, musst du deswegen nicht den Rest des Jahres einen Kopfschmerzkalender ausfüllen. 

Genauso kann es sein, dass du zwar etwas häufiger Kopfschmerzen hast, dich dadurch aber überhaupt nicht beeinträchtigt fühlst. Du kommst gut damit zurecht und fühlst dich wenig gestört, die paar Male im Jahr, die du Kopfschmerzen hast? Dann ist der Kopfschmerzkalender für dich eher überflüssig. 

Ein weiteres Argument gegen das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann die starke Fixierung auf die Erkrankung sein. Sollten nur noch der Kopfschmerz, die dadurch entstandenen Einschränkungen oder mögliche Trigger wahrgenommen werden, ist es sinnvoll, das Führen des Kopfschmerzkalenders einzuschränken. 

Kopfschmerzkalender: Was spricht dafür und was dagegen?

Lass uns noch einmal zusammenfassen, was für das Führen eines Kopfschmerzkalenders bei Migräne spricht und was dagegen. 

Pro

Kontra

Grundlage für ganzheitliche Behandlung

Hoher Aufwand

Vorbeugung Medkamentenübergebrauch

Überflüssig bei geringer Belastung

Zusammenhänge erkennen

Zu starke Fixierung auf die Erkrankung

Übung zur Selbstbeobachtung

Überprüfung von Therapiemaßnahmen 



Es macht also wenig Sinn, jahrelang einen Kopfschmerzkalender zu führen, ohne damit eine bestimmte Fragestellung zu beantworten. Aber für die oben genannten Zwecke lohnt sich der Aufwand immer!

Kopfschmerzkalender Tipps zum Ausfüllen

Das Wichtigste beim Ausfüllen des Kopfschmerzkalenders ist die Regelmäßigkeit. Füll den Kalender jeden Tag aus, auch wenn du keine Kopfschmerzen hattest. Nur so erkennst du Zusammenhänge zu Auslösern und Anzeichen von Migräneattacken

Füll den Kopfschmerzkalender möglichst zur gleichen Zeit aus, zum Beispiel abends vor dem Schlafen. Dadurch wird es zur Gewohnheit und du vergisst es nicht. 

Organisiere dir gerade zu Beginn eine Erinnerung an den Kopfschmerzkalender. Das kann eine Erinnerung im Handy sein, ein Post-It am Nachttisch oder eine Notiz im Kalender.

Mach dich mit dem Kopfschmerzkalender vertraut! Es gibt viele verschiedene Varianten von Kalendern. Verschaff dir einen Überblick über die Spalten, um das erfassen zu können, was wichtig ist. 

In diesem Video erkläre ich dir worauf es beim Ausfüllen der einzelnen Spalten ankommt. Ich zeige dir am Beispiel des Kopfschmerzkalenders der DMKG und anhand der Migräne App, wie du deine Kopfschmerzen richtig dokumentierst. 

Kopfschmerzkalender als App 

Natürlich gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, deine Kopfschmerzen mit Hilfe einer App auf deinem Smartphone zu dokumentieren. Die Vorteile liegen auf der Hand (im wahrsten Sinne des Wortes): Ihr Handy haben die meisten immer dabei. 

Die meisten Apps können die Daten auch exportieren, sodass sie deinem Behandler per E-Mail geschickt werden. Die Apps sind unterschiedlich aufgebaut und mal mehr und mal weniger übersichtlich. 

  • Migräne App

  • M-Sense

  • Migraine Buddy

Migräne App

Die aktuell am häufigsten heruntergeladene App ist die Migräne App. Sie ist in Zusammenarbeit der Schmerzklinik Kiel mit der Techniker Krankenkasse entstanden.

Gute Übersicht über Medikamente und Kopfschmerztage, Export für Behandler/in möglich sowie Erinnerungsfunktionen für Übungen oder Medikation.

Migräne App

Die Dokumentation deiner Kopfschmerzen ist ein wichtiger Baustein in der Behandlung der Migräne. Auf der Grundlage deiner Beobachtungen kannst du Verhaltensweisen anpassen und die Wirksamkeit deiner Medikation überprüfen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob du den Kopfschmerzkalender mit Zettel und Stift oder mit Hilfe einer App führst. Nutz die Variante, die du am besten täglich ausfüllen kannst. 

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Über die Autorin

Franziska Bartels

Als Psychologin und Psychotherapeutin verstehe ich mich als Wegbegleiterin. Ich begleite dich dabei, wieder mehr Gelassenheit und Ausgeglichenheit im Alltag zu haben. 

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